Erschienen am 19.10.2010
Junge CVP gründet Sektion in Schaffhausen
Die Partei will Jungen aus der politischen Mitte eine Heimat bieten und damit besonders Leute mit einer Lehre ansprechen.
von Zeno Geisseler/SN
Die CVP spielt im Kanton Schaffhausen eine untergeordnete Rolle. In der Regierung ist die Partei nicht vertreten, im 60-köpfigen Kantonsrat besetzt sie gerade mal drei Sitze. Das hindert eine kleine Gruppe politisch Interessierter aber nicht daran, eine Jungsektion zu gründen. Am Samstag um 9.30 Uhr im Künzle-Heim wird die Junge CVP Schaffhausen aus der Taufe gehoben. Designierter Präsident ist der Beringer Patrick Portmann. Der 21-Jährige sitzt bereits für die CVP im Einwohnerrat seiner Gemeinde. «Wir bringen Vitamin C nach Schaffhausen», sagt er, «und wir machen Politik mit Biss.» Dass die Junge CVP unkonventionellen Aktionen nicht abgeneigt ist, bewiesen Portmann und seine Mitstreiter, als sie vor der städtischen Abstimmung über eine Steuersenkung Absperrbänder an verschiedenen öffentlichen Einrichtungen anbrachten, um zu zeigen, was die Vorlage ihrer Ansicht nach für negative Auswirkungen haben könnte. Die Nachtaktion endete auf dem Polizeiposten.
"Wir machen Politik von Jungen für Junge», sagt Portmann. Ansprechen will die Partei Leute zwischen 16 und 25 Jahren. Politisch sehen sich die Jung-CVPler als klassische Mittepartei. «Wir verbinden die extremen Positionen, bilden eine Brücke zum Konsens», sagt Simone Stöcklin (26), die designierte Vizepräsidentin. «Die Jungen in der politischen Mitte haben keine Heimat, wir wollen ihnen eine bieten.» Abholen will die JCVP nicht zuletzt Leute mit einer Lehre, welche in Jungparteien kaum vertreten seien. «Viele Junge in den anderen Parteien sind am Gymnasium und an der Universität», sagt Stöcklin.
«Politik ist nicht unbedingt schön»
Dass es keine leichte Aufgabe sein wird, Junge für die Politik zu gewinnen – und dazu auch noch im Politbetrieb erfolgreich zu sein, darüber machen sich die beiden keine Illusionen. «Politik ist nicht unbedingt schön. Das ist viel harte Büez», sagt Portmann. Er möchte deshalb das «Projekt E.L.I.T.E.» lancieren. Dabei geht es darum, jungen Leuten die Politik näherzubringen. «Das soll kein trockener Staatskundeunterricht werden», sagt Portmann. Er stellt sich zum Beispiel ein Nachtessen mit prominenten Gästen vor, an dem über verschiedene Ideen kontrovers diskutiert wird. Das Projekt stehe nicht nur Leuten offen, welche der Jungen CVP nahestehen, ergänzt Stöcklin. «Alle sind willkommen, auch wenn sie nachher in die Junge SVP oder zum Jungfreisinn oder in die AL gehen.» Die JCVP hat sich zum Ziel gesetzt, 25 bis 30 Leute für das «Projekt E.L.I.T.E.» zu motivieren. Schön wäre es, wenn davon einige der Jungpartei beitreten würden. «Wir, die vier Gründungsmitglieder, freuen uns über jedes neue Mitglied und freuen uns noch mehr, wenn es eine aktive Rolle bei der politischen Gestaltung spielt», sagt Portmann. Am Geld soll es nicht liegen. Der Mitgliederbeitrag beläuft sich auf 30 Franken. «Und wenn sich einer den nicht leisten kann, dann übernehme ich das», sagt der Präsident in spe. Nach der Parteigründung am Samstag wollen die frisch gebackenen Jungparteiler wieder eine Aktion in der Stadt veranstalten. Dieses Mal bleiben die Absperrbänder aber in der Schublade – und die Polizisten hoffentlich auf dem Posten. Die JCVP will nur 200 Orangen und Orangensäfte auf dem Fronwagplatz verteilen.